Ich sitze allein im Bett. Vier Tage Stuttgart stehen auf dem Plan. Ein bisschen Arbeit und jede Menge Spaß sollen das Wochenende unvergesslich machen. Es ist Freitag der 13. November. Ich brauche eine Pause, bin geschafft vom Tag und verkrieche mich unter meiner Decke. Die anderen gehen feiern. Ich bin zu müde. Ich greife nach meinem Buch und versinke in den Geschichten, ab und zu kann ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen. Mein Handy blinkt und ich werfe einen beiläufigen Blick darauf: „Hast du das mit Paris gehört?“.

Nein. Was? Was ist mit Paris?

Ich öffne Facebook. #prayforparis überschwemmt mich nahezu. Ich bin fassungslos. Attentate. Geiselnahmen. Anschläge. Eine Schreckensmeldung nach der anderen. Zerstörung. Trauer. Ich greife nach jeder Information. Die Ungewissheit macht mir Angst. Das Bild setzt sich nach und nach zusammen. Es ist so unglaublich nah. Diese schrecklichen Dinge passieren nicht weit entfernt von uns. Uns trennt kein Ozean, kein Kontinent. Der Terror richtet seine Krallen nach Europa.

 

Zwei Jahre zuvor reiste ich mit meiner Familie in den Sommerurlaub. Ich hatte mich Ewigkeiten darauf gefreut. Ich liebe Frankreich und so war ich in heller Aufregung als es hieß: wir fahren nach Paris. Ich wollte schon immer in die Stadt der Liebe. Wirklich, schon immer! Unsere kleine, aber feine Wohnung befand sich direkt in Laufweite zum Louvre. Wir schlenderten durch die Stadt, Tag für Tag. Wir genossen das Flair. Ein nächtlicher Spaziergang. Ein Pärchen packt sein Abendessen auf einer Brücke über der Seine aus. Es wird Wein getrunken. An jeder Ecke spielt ein Musiker. Ein warmer Lufthauch streift durch mein Haar und ich denke mir nur: Paris, je t’aime.

 

Und jetzt können wir nicht nach Paris blicken ohne diese unendliche Trauer. Diese Fassungslosigkeit. Wie können Menschen anderen Menschen solche Gräueltaten  antun? Wie kann man so voller Hass sein? Wie kann man im Namen eines Glaubens töten? Leben auslöschen? So beliebig. So unschuldiges Leben.

Das Schlimmste? Solche Dinge passieren nicht nur in Paris. Solche Dinge passieren überall auf der Welt. Immer und immer wieder. Es werden Stimmen laut, die #prayforparis verurteilen. Kritik, die auffordert die Gesamtheit des Schreckens zu erfassen. Ich stelle mir die Frage: würde ich all das aushalten? Die geballte Masse an Informationen? Können wir denn noch in Sorglosigkeit leben, wenn wir all diese Schrecken so nah an uns heran lassen?

Lasst uns nicht kritisieren. Warum dumme Sprüche über Profilbilder in der Tricolour? Warum diese Vorwürfe, all diese Menschen würden nur dem Hype hinterherlaufen? Jeder zeigt seine Trauer und Anteilnahme auf unterschiedliche Art und Weise. Ihr sagt es ist zu viel? Ein, zwei oder hundert Blogposts zu dem Thema? Es können nie zu viele sein. Es kann nie zu viel Anteilnahme geben. Zu viel Liebe. Zu viel Zusammenhalt.

Nehmt Anteil. Liebt. Haltet zusammen. Nicht nur für Paris, sondern für die Welt.

 

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Paris, je t’aime.

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