Von Zeit zu Zeit machen sich meine Gedanken selbstständig. Ein einzelner unwichtiger Satz bleibt mir im Gedächtnis hängen. Er setzt sich in meinem Kopf fest und schlägt dort Wurzeln. Dann spinne ich diesen Gedanken, entstanden aus einem Wortfetzen, weiter und weiter, beziehe ihn auf verschiedene Situationen meines Lebens und mit einem Mal offenbart sich mir eine neue Sichtweise – ein Blickwinkel, den ich zuvor ungeachtet ließ.

So eine Situation hatte ich letztens auf Arbeit: zwei Damen im mittleren Alter probieren stapelweise Pullover an und geben sich gegenseitig Tipps und Ratschläge über Passform und Kombinationsmöglichkeiten. Plötzlich höre ich einen Aufschrei: „Das passt doch zu allem!“. Die Dame im grauen Pullover schaut vielsagend ihre Freundin an. Diese nickt anerkennend. Die beiden verlassen mit einem triumphierenden Lächeln im Gesicht und dem Pullover in der Hand den Laden. Ich kann es nicht erklären, aber das Gespräch der Damen blieb mir im Gedächtnis.

 

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Ist es erstrebenswert dieses Teil zu haben, was zu allem passt? Dieses Teil, das sich perfekt in der Alltagsuniform macht, dass es nahezu untergeht? Dieses Teil, das sich nahtlos in den Kleiderschrank einfügt, ohne hervorzustechen? Schön zwar, aber weit entfernt davon etwas besonderes zu sein.

Meine Gedanken sind längst nicht mehr bei dem Pullover. Ich denke über mich selbst nach.

Ich passe mich recht gut den verschiedensten Gegebenheiten an. Ich komme ganz gut mit fremden Leuten klar und stehe den Dingen eher positiv gegenüber. (Natürlich bestätigen Ausnahmen die Regel.) Trotzdem bin ich nicht mit allem kombinierbar. Gegen manche Kompositionen sträubt sich mein Inneres regelrecht. Als schlichtes Basic-Teil bin ich nicht zu gebrauchen.

Finde ich das schlimm? Nein – um ehrlich zu sein, nicht. Manchmal bin ich tatsächlich schockiert, wie gut sich offenbar andere kombinieren lassen. Der dritte Freund in einem Jahr oder nach einem Monat Trennung die nächste große Liebe. Wahnsinn, wie leicht es manchen Leuten fällt, das passende Gegenstück zu finden. Ich bin dann eher so der „Verrückter-Schnitt-“ oder „Ausgefallene-Farbe-Typ“ (um es mit modischen Metaphern zu sagen)  – oft passt es eben einfach nicht.

Und so springen meine Gedanken von grauen Pullovern, über Beziehungen, hin zum Sinn des Lebens. Am Ende denk ich mir nur: „Ich passe nicht zu allem und das ist gut so.“.

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Bikini 2

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Bikini-Top: H&M / Shorts: Pull and Bear / Tattoos: Posh Tattoo

Ich möchte mit meinen Gedanken niemanden verurteilen. Jeder findet sein ganz persönliches Glück auf einem anderen Weg, der Außenstehenden meist unverständlich ist. Vielleicht schüttelt ihr jetzt auch mit dem Kopf und denkt euch „Sie soll sich mal nicht so haben.“. Aber ich bin eben so. Ich passe nicht zu allem. Zumindest nicht im tieferen Sinne.

Ich wünsche euch einen gedankenvollen Sonntag. Fühlt euch gedrückt.

Anna


Merci CKFOTODESIGN.COM.

Es sind die schönsten Bilder seit Langem. 🙂

 

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